XAMPP unter Linux

Jeder Web-Entwickler besitzt den ein oder anderen Server, auf dem er seine Homepages, Datenbanken und Projekte veröffentlicht und testet. Die Daten der Homepages müssen hierbei jedoch immer erst auf den entfernten Server hochgeladen werden – in der Entwicklungsphase ist das sehr umständlich. Abhilfe schafft hier XAMPP, ein lokaler Server, der so konfiguriert werden kann, dass ohne hochladen, kopieren und überschreiben die Homepage aufgebaut werden kann. Wie das unter Linux geht, zeige ich hier1.

XAMPP

XAMPP steht für

  • X –> Das Betriebssystem (W für Windows, M für Mac, L für Linux)
  • A –> Apache, der meistgenutzte Webserver2
  • M –> MySQL, Datenbanken
  • P –> PHP, Hypertext Pre-Processing; Serverseitige Skriptsprache, mit der die meisten Homepages entwickelt werden
  • P –> Perl, Skriptsprache (veraltet)

Die frei verfügbare Software stellt alles zur Verfügung, was man zum Entwickeln einer Homepage benötigt. PHP-Interpreter, MySQL-Server inkl. der Verwaltungsoberfläche phpMyAdmin und FTP/SFTP-Zugänge. Herunterladen kann man die aktuellste Version hier.

Installation unter Linux

Die Installation unter Linux bringt das ein oder andere Problem mit sich, welches durch ein wenig Recherche-Arbeit schnell gelöst wird. Leider sind die wichtigen Informationen überall verstreut, daher stelle ich hier eine Zusammenfassung dar.

Benötigte Pakete für 64bit

XAMPP für Linux arbeitet nur auf 32bit-Systemen. Sollte die Software auf einem 64bit-System installiert werden, folgende Pakete mit dem Terminal (Infos dazu hier) installieren:


sudo apt-get install gcc-multilib eglibc-source

Herunterladen und Entpacken

Nachdem die aktuellste Version heruntergeladen wurde, starten wir ein Terminal. Dort wechseln wir in das Verzeichnis und entpacken die Datei:


cd Downloads/

sudo tar xvfz xampp-linux-1.8.1.tar.gz -C /opt

In der Anleitung wird empfohlen, sich vorher als root – Nutzer3 anzumelden – das empfehle ich hier nicht. Vergisst man, sich anschließend mit exit wieder abzumelden, könnte man großen Schaden am System anrichten!

Nachdem die zweite Zeile ausgeführt wurde, ist im Verzeichnis opt/ der Ordner lampp hinzugefügt worden. Hier befinden sich alle Dateien, die der Server benötigt.

Bevor es losgehen kann

Einige grundlegende Konfigurationseinstellungen verhelfen zu einer angenehmeren Entwicklungsumgebung. Zunächst ermöglichen wir den Zugriff über phpMyAdmin, mit dem wir MySQL, also die Datenbanken, bearbeiten können.


sudo nano /opt/lampp/etc/extra/httpd-xampp.conf

Wir landen im Editor innerhalb des Terminals und suchen die Zeile


<Directory "/opt/lampp/phpmyadmin">

Sie sollte relativ weit oben zu finden sein. Hier fügen wir die Zeile


Require all granted

an, und zwar bevor der Directory-Tag geschlossen wird – also vor


</Directory>

Verzeichnis wechseln

Da XAMPP im opt-Verzeichnis installiert wird, beinhalten alle Ordner eingeschränkte Rechte. Um das während der Arbeit an der Homepage einfacher zu gestalten, kann man den htdocs-Ordner, in dem alle Daten liegen, die der Server durchsucht, verlinken. Das geht mit dem link-Befehl4:


mkdir ~/Homepage

sudo ln -s ~/Homepage /opt/lampp/htdocs/$USER

Der Ordner Homepage enthält die Dateien und kann natürlich auch anders benannt werden. In der folgenden Zeile verlinken wir das opt-Verzeichnis mit dem eben erstellten Ordnern und weisen ihm einen Nutzer zu. Nun kann, nachdem XAMPP gestartet wurde, der eingestellte Nutzer $USER (z.B. Frank) wie folgt im Browser darauf zugreifen:


localhost/frank/

Natürlich können einfach Unterverzeichnisse angelegt werden, welche einfach an die Adresszeile angefügt werden. So kann man zwischen verschiedenen Projekte hin und her springen.

XAMPP starten

Nun sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und wir können XAMPP, genauer gesagt LAMPP, starten. Dazu einfach im Terminal folgende Zeile eingeben:


sudo /opt/lampp/lampp start

Anschließend startet der Server und kann unter


localhost

erreicht bzw. localhost/BENUTZER erreicht werden. Auf der Startseite kann man sich den aktuellen Status und Informationen über den installierten Server anschauen und prüfen, ob alles funktioniert.

MySQL und mehrere Nutzer

Die Datenbanken des XAMPP’s werden mit phpMyAdmin verwaltet. Um an die Weboberfläche zu gelangen, ruft man folgende Adresse im Browser auf:


localhost/phpmyadmin

Als erstes legt man für den root-Nutzer ein Kennwort fest. Das geschieht unter „Rechte“, „Rechte ändern“ bei root (localhost). Anschließend kann man sich jedoch nicht als anderen Nutzer anmelden. Hierzu müssen wir einen Eintrag in der phpmyadmin-Konfiguration ändern.


sudo nano /opt/lampp/phpmyadmin/config.inc.php

Hier findet sich sehr weit oben die Zeile


/* Authentication type and info */

$cfg['Servers']['$i']['auth_type'] = 'config';

Wir ersetzen config durch cookie und starten XAMPP neu:


sudo /opt/lampp/lampp restart

Nun können wir uns als Benutzer root mit dem Passwort anmelden, neue Nutzer erstellen welche sich ebenfalls anmelden können. Dies ist sinnvoll für z.B. mehrere Nutzer, die den gleichen XAMPP nutzen oder für die eigene Übersicht.

Nun sind alle Schritte abgeschlossen, damit der XAMPP nun ein richtiger LAMPP ist – viel Spaß beim Entwickeln!

Wie immer bin ich für Anregungen, konstruktive Kritik, Ideen und Kommentare sehr dankbar!

Holger

 

 
 
  1. Bitte beachtet meinen Hinweis im Impressum zum Thema Anleitungen!
  2. Quelle: Wikipedia
  3. Der Super-User in Linux. Er kann alle Rechte ändern und hat gleichzeitig alle Rechte auf allen Dateien und Ordnern. Ist man in diesem Modus, sollte man sehr aufmerksam sein!
  4. Quelle: Ubuntuusers.de

3 Gedanken zu „XAMPP unter Linux

  • Pingback: XAMPP unter Linux » Holger Trampe

  • 19. August 2015 um 10:45
    Permalink

    Bin gerade im Begriff (angesichts Windows 10) einen Windows7-XAMPP auf Linux umstellen. Dabei bin ich über diesen Beitrag „gestolpert“. Herzlichen Dank dafür! Prima Einstieg!

    Antworten
    • 21. August 2015 um 09:13
      Permalink

      Vielen Dank! Aber bitte beachte, dass du deine XAMPP-Installation nur als „Lokale“ Version benutzt und nicht öffentlich (also vom Netz her erreichbar) machen solltest. Dazu kannst du einen Linux-Apache-Server aufsetzen. Der hat von Haus aus weniger Sicherheitslücken und schreibt Log-Dateien.

      Viel Erfolg!

      Antworten

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