Wer schon einmal mit virtuellen Maschinen gearbeitet hat, wird über deren Performance nicht sonderlich glücklich gewesen sein. Auch wenn eine leistungsfähige i5-CPU mit 8 GB RAM die Host-Maschine1 ist, bekommt man nur schleppende Maschinen in die Hand.

VirtualBox, als meiner Meinung nach gängigste Virtualisierungsprogramm, stellt jedoch einiges zur Verfügung, um die lahmen Virtuellen auf Trab zu bringen. Dazu gehören neben mehr Arbeits- und Videospeicher auch die Anzahl der Kerne, zu finden bei „Ändern –> System –> Prozesser“.

Fehlermeldung
Fehlermeldung von VirtualBox bei mehr als 1 Kern

Verändert man dort den Standard-Wert von einem Kern auf z.B. zwei, gibt es eine Meldung, dass ein Service aktiviert werden muss. Freundlicherweise übernimmt das VirtualBox, so dass man ohne Bedenken mit OK alles bestätigen kann. Startet man dann eben veränderte Maschine ereilt einem aber nebenstehende Fehlermeldung.

Die verrät im ersten Moment nicht sonderlich viel, doch nach etwas Recherche findet man schnell den Grund. Standardmäßig soll der Host-PC alle Prozesse bearbeiten, die die virtuellen Maschinen anstoßen. Möchte man jedoch, dass die virtuellen Maschinen in den Luxus mehrerer Kerne kommen, was heutzutage eigentlich normal ist, muss man diesen Modus aktivieren. Dadurch werden die Prozesse direkt an die CPU weitergegeben, alle Kerne stehen zur Verfügung und die virtuelle Maschine ist schneller und stabiler. Damit das klappt, muss man das BIOS2 besuchen.

Virtualisierung im BIOS
Virtualisierung im BIOS

Bei den meisten PC’s erreicht man es, wenn man direkt nach dem Anschalten F2 oder ENTF drückt, bis man in den altbekannten, DOS-artigem System landet. Besonders bei ThinkPad’s ist, dass man dort die ENTER-Taste drücken muss um anschließend durch F2 in das BIOS zu gelangen. Ist man in dem System, sucht man in den CPU-Einstellungen (häufig unter „Erweitert“) nach der Option „Intel Virtualisierungstechnologie“ (siehe Bild, ganz unten). Diese stellt man von „Deaktiviert“ oder „Disabled“ auf „Aktiviert“ oder „Enabled“. Nachdem man die Einstellung gespeichert und einen Neustart gemacht hat, bleibt der PC für einige Sekunden aus. Keine Angst, um die Einstellung vollständig an die CPU anzupassen, muss diese absolut Spannungsfrei sein, daher dauert der Neustart einen Moment länger. Nachdem nun der Computer hochgefahren ist, verändert man die Einstellungen in VirtualBox so ab, dass die Maschinen z.B. vier Kerne belegen dürfen. Ich empfehle an dieser Stelle unbedingt eine CPU-Begrenzung von 80 % einzustellen, da sonst das Host-System erheblich langsamer werden kann – und das wäre kontraproduktiv.

Einstellungen VirtualBox 4 Kerne
Einstellungen VirtualBox 4 Kerne

Wie im Bild zu sehen, habe ich vier Kerne bei einer CPU-Begrenzung von 80 % konfiguriert. Damit läuft die Maschine deutlich flotter, der Host aber nicht erheblich langsamer.

LinuxServer mit 4 Kernen
LinuxServer mit 4 Kernen

Weiter unten abschließend noch ein Beispiel, bei dem man den Bootvorgang des Servers sieht. Die Fehlermeldung von oben ist verschwunden und die Maschine läuft stabil. Zu erwähnen ist noch, dass man, sollte man mehr als drei Maschinen gleichzeitig laufen hat, die CPU-Begrenzung entsprechend anpassen muss. Es sollte klar sein, dass ein Computer seine gesamten Hardwareressourcen drei weiteren zur Verfügung stellt. Daher kann es vorkommen, dass alle langsam laufen, wenn zu viel direkt zur CPU durch gereicht wird. Mit ein wenig ausprobieren sollte man jedoch die optimale Balance finden.

Grundsätzlich eignen sich virtuelle Maschinen sehr gut, um Dinge auszuprobieren. Man kann mit VirtualBox Zustände speichern und somit auch nach einem Fehler schnell weiterarbeiten. Ich habe z.B. mein komplettes Homeserversystem vor dem Kauf der Hardware virtuell aufgebaut und ausreichend getestet (Raid, Update, GUI etc.).

Virtuelle Mehrkerner
 
 
  1. Als Host wird hier der Computer bezeichnet, der VirtualBox zur Verfügung stellt und alle Maschinen versorgen muss. Sprich, der Rechner, auf dem die virtuellen Rechner sitzen.
  2. Basic Input Output System – die erste Anlaufstelle eines jeden Computers. Aktuell benutzen neuere Computer EFI, Extensible Firmware Interface. Auch hier sollte die Virtualisierungseinstellung zu finden sein.
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